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100 Jahre Feuerwehr Heringen - Seit 1909 aktiv für die Sicherheit

 

Bei der Darstellung der 100-jährigen Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Heringen soll auch die historische Bedeutung des Dorfes Heringen noch einmal in Erinnerung gerufen werden.

 

Heringen wurde erstmals 790 urkundlich erwähnt. Wie wir aus dem geschichtlichen Rückblick, den Chroniken und Aufzeichnungen heute wissen, war das Leben der früheren Dorfbewohner, insbesondere durch den ständigen Wechsel von weltlicher und kirchlicher Herrschaft, sowie Kriege und Katastrophen sehr schwer. Wenn wir uns also die Gegebenheiten früherer Zeiten vor Augen führen, muss man feststellen, dass die Menschen der Gefahr durch Feuer noch viel stärker ausgesetzt waren als wir heute.

 

Denken wir an die Gebäude in Lehmbauweise mit Stroh gedeckten Dächern einerseits und auf die unzureichende Wasserversorgung, sowie schlechte Löschwasserversorgung andererseits. Darüber hinaus war Feuer in offenen Gefäßen zum Kochen, Heizen und zu Beleuchtungszwecken unentbehrlich.


Um die Macht des Feuers sinnvoll zu nutzen und anderseits Brandkatastrophen zu vermeiden, war es die Aufgabe der Menschen das Feuer zu beherrschen.

Mit primitiven Mitteln konnte kein großer Löscherfolg sichergestellt werden. Oftmals brannten ganze Straßenzüge oder Dörfer ab.

 

In den Jahren nach 1800 nahm das Feuerlöschwesen einen spürbaren Aufschwung. Unsere Gemeinde Heringen war zunächst mit den Nachbarorten Kirberg, Neesbach, Nauheim und Ohren an einer, in Kirberg stationierten, Spritze beteiligt.

 

Es handelte sich um eine Handdruckspritze, bei der Wasser mit Eimern in die Spritze gebracht werden musste. Bei den damaligen Verständigungs-, Transport- und Verkehrsverhältnissen war es nicht immer einfach die Pumpe an den Brandherd zu schaffen.


Das Betätigen der Pumpe war sehr anstrengend. Die Helfer mussten oft nach 10 – 15 Minuten ausgetauscht werden.

 

Im Jahre 1821 beschloss die Gemeinde Heringen eine eigene Feuerspritze anzuschaffen. Die Spritze wurde in Frankfurt gebaut und abgeholt. Nach anschließender Prüfung in Heringen war man mit den Leistungen nicht zufrieden. Sie wurde zurückgeschickt. Am 18. Oktober 1821 wurde dann die neue Spritze geholt. Diese wurde dann nach zweimaliger Prüfung für gut befunden.

 

Erstes Heringer Spritzenhaus in der Borngasse (Erbaut 1821)

 

Als auch im gleichen Jahr noch ein neues Spritzenhaus gebaut wurde, war natürlich ein großer Fortschritt im Feuerlöschwesen unseres Dorfes geschaffen.

 

Durch Motivationsprobleme mit den Leuten in den Pflichtfeuerwehren, wurden in den folgenden Jahren schon vereinzelt Freiwillige Feuerwehren gegründet. Für die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Heringen war auch die schlecht funktionierende Pflichtfeuerwehr der ausschlaggebende Anlass.

 

Am 02. Januar 1909 gründeten 30 beherzte Männer in Heringen die Freiwillige Feuerwehr Heringen. Erster Kommandant war der damalige Bürgermeister Lanz.

 

Original Gründungsprotokoll (1909)

 

Feuerwehrübungen wurden derzeit sonntags morgens 6:00 Uhr abgehalten. Der Monatsbeitrag für Mitglieder betrug 5 Pfennig.

Mit dem technischen Fortschritt wurde im Jahre 1915 eine neue leistungsfähigere Hand Saug- und Druckspritze durch die Gemeinde angeschafft. Diese Spritze konnte im Gegensatz zu der vorhandenen Spritze schon selbstständig Wasser ansaugen. Hiermit wurde eine wesentliche Verbesserung im örtlichen Brandschutz sichergestellt.

 

Hand Saug- und Druckspritze (Baujahr 1915)

 

In den folgenden Jahren wurde ständig an der Organisation und Ausstattung der Feuerwehr gearbeitet. So wurde in einer Jahreshauptversammlung einstimmig beschlossen, dass beim Fehlen von Mitgliedern bei Brandeinsätzen eine Geldstrafe von 50 Mark zu zahlen ist.

Im Jahr 1926 sollten erstmals einheitliche Uniformen angeschafft werden. Weil dafür das Geld fehlte, beschloss man an Ostern und Weihnachten Theater zu spielen.

 

Theateraufführung der Feuerwehr (1926)

 

Trotz den Einnahmen und einem Zuschuss der Aachener und Münchener Feuerversicherung reichte das Geld nicht aus. Daraufhin wurde der Vereinsbeitrag auf 20 Pfennig im Monat erhöht. Mit einem weiteren Zuschuss von 600,- Mark aus Wiesbaden konnten dann in Teilzahlung die Uniformen beschafft werden.

Mit der Errichtung der Wasserleitung in Heringen im Jahre 1930 wurde ein neuer Grundstein für eine effektive Brandbekämpfung gelegt.

1934 wurde dann die erste Motorspritze durch die Gemeinde angeschafft. Fortschritte bezüglich der Alarmierung gab es dann zu Beginn des Krieges durch die Installation von Sirenen. Nach den Wirren des Krieges musste sich auch die Heringer Feuerwehr wieder neu formieren. Es galt sich den neuen Aufgaben und den neuen Entwicklungen anzupassen. Diese Aufgaben wurden durch eine gute Zusammenarbeit der Feuerwehr mit der Gemeinde gelöst.

 

Als weiteres großes Ereignis in der Geschichte der Feuerwehr kann man den Bau eines geräumigen Feuerwehrhauses in der Jahnstrasse bezeichnen. Der damalige Brandweiher wurde überbaut und eine Zisterne von 90 000 Litern Löschwasser unter dem Feuerwehrhaus geschaffen. Diese ist heute noch voll funktionsfähig und dient als Löschwasserreserve.

 

Zum 50-jährigen Jubiläum im Jahre 1959 wurde die erste moderne Bachert Tragkraftspritze mit einer Leistung von 800 Litern pro Minute angeschafft.

 

Bachert Tragkraftspritze (Baujahr 1959)

 

In den folgenden Jahren wurde ständig die Ausrüstung durch die Anschaffung von kleineren Geräten, neuem Schlauchmaterial und persönlicher Schutzausrüstung verbessert. Im Dezember 1966 ging schließlich ein langgehegter Wunsch der Wehr in Erfüllung. Die Gemeinde stellte der Feuerwehr ein komplett ausgestattetes Tragkraftspritzenfahrzeug zur Verfügung. Erfreulich war auch hier der Entschluss der Gemeinde, gleichzeitig eine zweite Tragkraftspritze anzuschaffen. In den folgenden Jahren wurde die Ausrüstung ständig zum Schutze der Bevölkerung verbessert.

 

Einweihung TSF Heringen (1966)

v.l.n.r. Ernst Butzbach, Wilhelm Lanz,

Bürgermeister Willi Knoll, Willi Gemmer, Ohlemacher


Im Rahmen der Gebietsreform fand im Jahre 1971 der Zusammenschluss der sieben Gemeinden Kirberg, Dauborn, Heringen, Nauheim, Mensfelden, Neesbach und Ohren zur Großgemeinde Hünfelden statt.

Im Rahmen des 65-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Heringen im Jahre 1974 wurde auch unsere Jugendfeuerwehr gegründet.


Mitgliedsbuch der Jugendfeuerwehr (1974)

 

1987 wurde durch die Gemeinde Hünfelden ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug beschafft. Mit dem neuen Fahrzeug wurden gleichzeitig 4 Atemschutzgeräte angeschafft. Das alte TSF wurde von dem Feuerwehrverein übernommen und als Mannschaftstransportfahrzeug und Gerätewagen genutzt.

 

     
Einsatzabteilung (1984)
Übergabe des TSF (1987)

 

Das Fahrzeug wurde beim Hünfeldener Feuerwehrtag in Neesbach übergeben.

 

Im gleichen Jahr hat der Feuerwehrverein seine Vereinssatzung angepasst und ist seitdem beim Amtsgericht als eingetragener Verein registriert.

Als nächste wesentliche Verbesserung wurde das Feuerwehrhaus in den Jahren 1988/89 erweitert und modernisiert. Schulungsraum, Sanitärräume und Umkleideraum wurden angebaut.


Anbau des Feuerwehrhauses (1988)

 

1990 wurden die ersten 7 Meldeempfänger angeschafft.

Durch das immer größer werdende Aufgabengebiet wurde in den folgenden Jahren die Ausrüstung immer weiter komplettiert und modernisiert. Für die Jugendarbeit wurde ein Mannschaftszelt angeschafft.


Jugendfeuerwehr mit neuem Mannschaftzelt (1990)

 

Im Jahr 1998 wurde das 1966 beschaffte Tragkraftspritzenfahrzeug ausgemustert und durch ein Feuerwehrfahrzeug Gerätewagen Nachschub ersetzt. Das Fahrzeug wurde auf Kosten des Feuerwehrvereins und durch finanzielle Unterstützung der Gemeinde Hünfelden angeschafft und feuerwehrtechnisch von den Mitgliedern der Feuerwehr Heringen selbst aufgebaut.

 

    
GW-N Heringen (seit 1998)
TSF / MTF Heringen (1966 - 1998)

 

In den kommenden Jahren wurde sowohl der Ausbildungsstand durch den Besuch von Lehrgängen und Seminaren auf Kreisebene, als auch an der Landesfeuerwehrschule in Kassel in der Einsatzabteilung erheblich verbessert.

Die Freiwillige Feuerwehr Heringen verfügt heute, entsprechend unseren Aufgaben über ein gut ausgestattetes Feuerwehrhaus mit den dazugehörigen Fahrzeugen, Geräten und Ausrüstung für die Brandbekämpfung und die technische Hilfeleistung.

 

Hinzu kommen gut ausgebildete Kameradinnen und Kameraden der Einsatzabteilung sowie motivierte Vereinsmitglieder.

Alle Führungskräfte, Vorsitzende und Mitglieder haben sich in den letzten 100 Jahren den technischen und gesellschaftlichen Herausforderungen gestellt und sind den Anforderungen zu allen Zeiten gerecht geworden.

 

So wurde bereits 1974 eine Jugendfeuerwehr gegründet. Die Jugendlichen im Alter damals ab 12 Jahren und heute von 10 – 17 Jahren werden durch sinnvolle Freizeitgestaltung und feuerwehrtechnische Ausbildung für den späteren Feuerwehrdienst begeistert und darauf vorbereitet.

 

Im Mai 2008 wurde in Heringen die erste Kinderfeuerwehr von Hünfelden gegründet. Hier werden Kinder im Alter von 6 – 10 Jahren mit Freizeitgestaltung und Brandschutzerziehung auf die Jugendfeuerwehr vorbereitet.

 

Löschteufel (2008)

Die Kameradinnen und Kameraden der Einsatzabteilung bilden sich ständig bei Übungen, Seminaren und Lehrgängen weiter, um einen optimalen Schutz und Hilfe für unsere Bürger gewährleisten zu können.

Doch all diese Aktivitäten wären ohne die Unterstützung unserer Vereinsmitglieder nicht zu leisten.

 

Nicht unerwähnt dürfen die Leistungen der Freiwilligen Feuerwehr auf kulturellem Gebiet bleiben. Durch viele Veranstaltungen, Theateraufführungen und dergleichen wurde die Dorfgemeinschaft und Kameradschaft gepflegt.

Der finanzielle Gewinn aus diesen Veranstaltungen wurde ausschließlich zur Anschaffung von Gerät und persönlicher Ausrüstung verwendet und somit wieder der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt.

Allen Jugendlichen, Kameradinnen, Kameraden, sowie allen Vereinsmitgliedern und Sponsoren, die sich in den zurückliegenden Jahren für den Erhalt und die Fortentwicklung unserer Freiwilligen Feuerwehr eingesetzt haben, gebührt Dank und Anerkennung mit dem Wahlspruch

 

„ Gott zu Ehr, dem Nächsten zur Wehr “